The Three Ways - die Prinzipien von DevOps und warum auch andere Teams eines Unternehmens davon profitieren können

Melanie Mai 23, 2018
The Three Ways - die Prinzipien von DevOps und warum auch andere Teams eines Unternehmens davon profitieren können

DevOps als Unternehmenskultur wurde ursprünglich zur Anwendung in der Softwareentwicklung kreiert. Doch auch Teams anderer Branchen können von diesem Ansatz profitieren, der weg vom klassischen Management (Command & Control) hin zu selbstorganisierten Teams mit starker Feedback-Kultur geht.

DevOps baut als Organisations- und Führungskultur auf drei Prinzipien auf - besser bekannt als «The Three Ways». Diese drei Wege sind bei der Umsetzung zentral, um das übergreifende Ziel - besser und schneller werden - zu erreichen. Dabei dienen die drei Wege als Rahmen für Prozesse, Verfahren und Praktiken, bei denen ganz klar die Optimierung der Zusammenarbeit im Vordergrund steht.



Möchten Sie mehr über die Grundlagen von DevOps und die Anwendung ausserhalb der  Softwareentwicklung erfahren? 
Dann empfehlen wir Ihnen unseren Blog-Beitrag
«Was ist DevOps und kann dieser Ansatz auch ausserhalb der IT angewendet werden?».



Dieser Blogbeitrag befasst sich mit den «Three Ways», allerdings losgelöst von der Softwareentwicklung, für eine Anwendung in jedem anderen Bereich in dem Personen miteinander arbeiten.

Way 1: Das Flow-Prinzip

Grafik-Flow-Prinzip

Mit dem ersten Prinzip soll der Flow zwischen zwei Prozessen - im Original Development und Operations - gesteigert werden, um eine schnellere Auslieferung der Software an den Kunden zu erreichen. Dabei ist mit dem Flow die reibungslose, direkte Zusammenarbeit gemeint, welche auch als Value Stream bezeichnet wird.

Die Steigerung des Flows kann durch folgende Massnahmen erreicht werden:

  • Arbeit sichtbar machen
    Mithilfe von visuellen Work-Boards (z.B. Kanban-Boards oder Sprint-Planning-Boards), sollen Aufgaben “sichtbar” gemacht werden. So sieht jeder Mitarbeitende eines Teams welche Aufgaben aktuell sind, sich im Prozess befinden und wo es Probleme gibt und können anhand dieser Informationen agieren.
  • Anzahl gebündelter Aufgaben verringern
    Die Grösse von Aufgabenstapeln soll verringert werden. Durch die Reduzierung der in einem solchen Stapel befindlichen Tasks wird das Risiko von Fehlern verkleinert. Zudem wird die Qualitätssicherung vereinfacht und das Vorgehen insgesamt führt zu einem schnelleren Feedback und damit auch zu einem schnelleren ersten Ergebnis.
  • Abhängigkeiten und Übergaben reduzieren
    Mit der Neugestaltung der Teamorganisation und der Automatisierung bestimmter Arbeitsabläufe (z.B. bei der automatischen Qualitätssicherung) können Missverständnisse vermieden oder Informationsverluste bei der Übergabe umgangen werden.
  • Überflüssiges eliminieren
    Alle Tools, Prozesse oder Zwischenschritte, die keinerlei Wert für den Endnutzer haben, werden beseitigt. Dazu gehört alles was Zeit frisst, Aufwand generiert und nicht unmittelbar zur Zielerreichung beiträgt.
  • Menge der Aufträge limitieren
    Damit Aufträge vollständig, korrekt und innerhalb der gegebenen Fristen bearbeitet werden können, wird nur eine bestimmte Anzahl von Aufträgen vergeben. Diese werden mit Hilfe eines visuellen Work-Boards getrackt und helfen dabei, den Fokus des Teams auf die aktuelle Arbeit und pendente Tasks zu legen.

Zusammenfassend wird das Flow-Prinzip verwendet, um eine bessere Zusammenarbeit zu schaffen (Verständnis der Arbeitsabläufe) und um den Value Stream zu verbessern (Erfassung und Beseitigung von Einschränkungen). Dabei steht das Gesamtbild im Fokus, bei dem lokale Optimierungen keine negativen Auswirkungen auf die globale Situation haben dürfen.

Way 2: Das Feedback-Prinzip

Grafik-Feedback-Prinzip

Das Feedback-Prinzip baut auf dem ersten Weg (Flow - siehe oben) auf. Es widmet sich dem Umgang mit schnellem und konstantem Feedback auf dem Weg zur Zielerreichung. Dabei soll Feedback ein fester Bestandteil aller Prozesse werden, um Fehler schneller zu finden, zu beheben und um der wiederholten Entstehung eines Problems frühzeitig vorzubeugen.

Ziel dabei ist es, Feedback zu verstehen, darauf zu reagieren und auf Basis dessen Optimierungen vorzunehmen. Dabei sollen kürzere (und damit wertvolle) Feedback-Loops eingesetzt werden, um notwendige Änderungen kontinuierlich vornehmen zu können.

Die folgenden Massnahmen können das Feedback-Prinzip unterstützen:

  • Probleme erkennen sobald sie auftauchen
    Dank sogenannter Feedback-Loops können einzelne Komponenten, Verbindungen und Prozessschritte schnell gemessen und auf ihre Funktionalität überprüft werden. So können Defekte rasch erkannt und Abweichungen sofort behoben werden. So dient das Feedback als fester Zwischenschritt nicht nur zur Steigerung des Informationsflusses sondern auch zur Optimierung der Zusammenarbeit.
  • Probleme umgehend (und gemeinsam) lösen
    Sobald ein Problem auftaucht, wird der laufende Prozess gestoppt und alle beteiligten Mitglieder helfen, das Problem umgehend zu lösen. Dabei kann es sich beispielsweise um das Fehlen eines wichtigen Faktors handeln oder eine pendente Aufgabe, die zur Fertigstellung benötigt wird. Die Arbeit am gesamten Prozess wird erst wieder aufgenommen, nachdem eine Lösung für das Problem gefunden wurde. So wird nicht nur das Team motiviert, entstandene Probleme umgehend zu lösen, sondern es wird auch vermieden, dass Fehler wiederholt auftreten und Auswirkungen auf das Endergebnis haben.
  • Qualität von Grund auf sicher stellen
    Die Mitarbeitenden sollen als Teil ihrer täglichen Arbeit sicherstellen, dass die Qualität “ihrer” Arbeitsschritte gewährleistet wird. Damit ist nicht nur das Engagement des Mitarbeitenden gegenüber dem Prozess deutlich verantwortungsvoller, sondern auch der Prozess bleibt schlank und ein komplexes System wird vermieden, was wiederum die Fehlerwahrscheinlichkeit senkt.
  • Sich in Rollen hineindenken
    Durch das Hineindenken in verschiedene Rollen soll nicht nur die Qualität sichergestellt werden, sondern auch das Verantwortungsgefühl gegenüber den Teamkollegen gesteigert werden. Dabei werden sowohl die Anwender, als auch die Prozessbeteiligten der nachfolgenden Schritte in den Fokus gestellt, um so die Empathie zu den Personen zu fördern, die das Produkt verwenden.

Das zweite Prinzip stützt sich vollständig auf eine gesunde Feedbackkultur, die bei der Erreichung von Qualität, Verlässlichkeit und Sicherheit unerlässlich ist. Dabei müssen Fehler und Defekte in einem ersten Schritt erkannt und ehrlich betrachtet werden, bevor diese behoben werden können.

Way 3: Das Prinzip des kontinuierlichen Lernens und Experimentierens

Grafik-Learning-Prinzip

Beim dritten Prinzip steht Lernen durch Experimentieren im Vordergrund. Hierbei soll mit dem Aufbau einer Vertrauenskultur sowohl die Lernfähigkeit, als auch die Leistungsfähigkeit gesteigert werden. Das Umfeld spielt dabei eine wichtige Rolle, denn dieses soll dazu ermutigen, dass Mitarbeitende neue Wege ausprobieren und dadurch lernen. So kann das gesamte Team die Erfolge und Misserfolge nutzen, um Optimierungen auf Basis von “echten” Ergebnisse durchzuführen.

Durch das dritte Prinzip soll erreicht werden, dass eine Organisation und ihre Teams ständig anpassungsfähig, effizient und unabhängig vom Umfeld agieren. Dies ist nur möglich, indem allen Mitarbeitenden die Möglichkeit des Ausprobierens und kontinuierlichen Lernens gegeben wird.

Als Massnahmen können die folgenden Schritte zur Unterstützung dienen:

  • Zeit zur Optimierung fest einplanen
    Teams sollten sich feste Zeiten einplanen, in denen bestehende Prozesse - egal welcher Grösse oder Umfang - ständig optimiert werden. Dabei handelt es sich in erster Linie um Prozesse, welche Teil der täglichen Arbeit sind und allein aus diesem Grund in ihrer Bearbeitung effektiv und effizient sein sollten.
  • Experimentieren hilft bei der Optimierung
    Zusätzlich zur fixen Einplanung von Optimierungen, soll bei der Erarbeitung mit verschiedenen Szenarien experimentiert werden, um Fehlerquellen zu entdecken, Lücken zu schliessen und die beste Lösung zu finden. Ohne dieses Experimentieren können keine Alternativen gefunden werden, die gegebenenfalls besser funktionieren, als das aktuell verwendete Vorgehen - und so eine Zeitersparnis und einen Lerneffekt generieren.
  • Individuelles Know-how teilen
    Um ein übergreifendes Verständnis und ein einheitliches Know-how zu schaffen, ist es wichtig die unterschiedlichen Kenntnisse der einzelnen Mitglieder im Team zu teilen. So können alle vom Wissen im Team profitieren und tragen damit im Rahmen des Flow-Prinzips zu einer verbesserten Zusammenarbeit bei.
  • Mitarbeitende zur Selbstständigkeit motivieren
    Damit die von DevOps beschriebene Organisationskultur entgegen des klassischen Management-Modells funktioniert, müssen auch Führungskräfte entsprechend umdenken. Weg vom Manager, der Anweisungen erteilt, hin zum Coach, der als Sparring-Partner agiert und die Mitarbeitenden zum selbstständigen Denken animiert. So sollen Teammitglieder dazu angehalten werden, Probleme in ihrer täglichen Arbeit eigenständig zu erkennen und zu beheben.

Obwohl DevOps ursprünglich für die Zusammenarbeit in der Softwareentwicklung genutzt wurde, kann dieser Ansatz auch andere Organisationen bei der Optimierung unterstützen. Die Mitarbeitenden bilden hierbei den wichtigsten Bestandteil - denn ohne motivierte Mitarbeitende hat das gesamte Modell nur wenig Nutzen.

DevOps bietet zur Anwendung der drei Prinzipien verschiedene Praktiken, um diese erfolgreich umzusetzen. Zu diesem Thema werden wir alle wichtigen Informationen in einem separaten Blogpost zu einem späteren Zeitpunkt behandeln.



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